{"id":858,"date":"2019-02-08T16:46:45","date_gmt":"2019-02-08T14:46:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.smallplanet.gr\/agora\/?p=858"},"modified":"2019-02-08T16:46:45","modified_gmt":"2019-02-08T14:46:45","slug":"untrustworthy-agora-from-democracy-to-the-market-overview-by-haus-des-dokumentarfilms-in-german","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agorathedoc.com\/agora\/untrustworthy-agora-from-democracy-to-the-market-overview-by-haus-des-dokumentarfilms-in-german\/","title":{"rendered":"Untrustworthy \u2013 Agora, From Democracy to the Market, overview by HAUS DES DOKUMENTARFILMS (in German)"},"content":{"rendered":"<p>Via: <a href=\"http:\/\/www.dokumentarfilm.info\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=1997:tv-tipps-52-nicht-vertrauenswuerdig&amp;catid=39:tvdokus&amp;Itemid=62\" target=\"_blank\">Untrustworthy \u2013 Agora, From Democracy to the Market, overview by HAUS DES DOKUMENTARFILMS<\/a><\/p>\n<p><strong>Nicht vertrauensw\u00fcrdig<br \/>Agor\u00e1 &#8211; Von der Demokratie zum Markt<\/strong><\/p>\n<p>11.02.2015<br \/>Thomas Schneider<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Will man verstehen, wieso die Griechen ihrem neuen Ministerpr\u00e4sidenten Alexis Tsipras eine Chance gegeben haben, um das Land aus seiner schier hoffnungslos erscheinenden Schuldenmisere zu f\u00fchren, der muss verstehen, wie die Griechen leiden, seitdem sie zum Armenhaus Europas wurden. Mit einer drastischen Innensicht leistet dies der von 2010 bis 2014 entstandene Dokumentarfilm \u00bbAgor\u00e1\u00ab, den der WDR heute in Erstausstrahlung zeigt. Auch wenn er sp\u00e4t im Programm steht und nur auf im Dritten: es ist m\u00f6glicherweise der wichtigste Dokumentarfilm des Jahres. Weitere Dokutipps f\u00fcr den Donnerstagabend hier im \u00dcberblick.<\/p>\n<p>Es zieht sich ein Motiv durch diesen Film, das die ganze Ungeheuerlichkeit zeigt, die \u00fcber die Griechen hereingebrochen ist. Es zeigt einen Baum auf einem zentralen Platz in Athen. Dort begeht ein Grieche \u00f6ffentlichen Selbstmord, weil er die Schande und die Hoffnungslosigkeit nicht l\u00e4nger tragen kann. Er ist, wie wir kurz darauf lernen, nur einer von 3124 Selbstm\u00f6rdern, die von 2009 bis 2012 auf diese Weise der gr\u00f6\u00dften Krise entronnen sind, in die das Land gest\u00fcrzt ist. Es geht dabei nicht um Schuld und Schuldzuweisungen und nicht einmal darum, wer die Schulden des Landes verursacht hat. Es geht einzig und alleine darum, welches Leben noch lebenswert erscheint, wenn die Hoffnung gestorben ist.<\/p>\n<p>Der 90-min\u00fctige Dokumentarfilm \u00bbAgor\u00e1\u00ab des griechischen Filmemachers Y\u00f3rgos Avger\u00f3poulos schildert die Eurokrise in seiner Heimat anders, als wir dies aus unserer Presse gewohnt sind. Der Film gibt den \u00bbPleitegriechen\u00ab, den \u00bbgr\u00f6\u00dften Schuldner Europas\u00ab, Gesichter. Zum Beispiel das jenes Familienvaters, der mit seiner kleinen Tochter den ganzen Tag \u00fcber durch die Stra\u00dfen irrt, damit man ihnen nicht auf den ersten Blick ansehen m\u00f6ge, dass sie auf der Stra\u00dfe leben. Oder das jener verzweifelten Ehefrau, deren Mann sich das Leben nahm um den Schulden zu entkommen &#8211; jenen Gl\u00e4ubigern, die nun der Witwe nachjagen. Es sind ersch\u00fctternde Bilder und Geschichten, die dieser Film summiert. Kaum auszuhalten.<\/p>\n<p>Vor allem auch deshalb nicht, weil es Avger\u00f3poulos nicht bei der Dokumentation der Zerst\u00f6rung bel\u00e4sst, sondern in klug gew\u00e4hlten Interviews nach den Ursachen fahndet. \u00bbGriechenland war nie das Problem\u00ab hei\u00dft es da an einer Stelle, wenn es um die Gr\u00fcnde f\u00fcr das griechische Leid geht. Die Rettungsaktionen der sogenannten Troika brachten neue Schulden und harte Auflagen um Panik an den Finanzm\u00e4rkten zu vermeiden. Doch der Filmemacher sucht auch nach den Verantwortlichen im eigenen Land. Er benennt die Verschwender, das System der Korruption und der politischen Erstarrung. Wie in einem Ermittlungsbericht seziert er, wie Griechenland immer tiefer ins Verderben rutschte, bleibt dabei aber stets ganz nahe bei denen, die das Schlammassel nun ausbaden sollen. Arbeit weg, Haus weg, W\u00fcrde weg &#8211; der Abstieg im heutigen Griechenland trifft vor allem die Mittelschicht. Zur\u00fcck bleibt Wut.<\/p>\n<p>Die Folgen dieser Geldmarktpolitik, die, als Griechenhilfe verpackt, letztlich nur eine andere Dosis jenes Giftes ist, das sich weitere Opfer suchen wird, sind offensichtlich. Das Wiedererstarken der extremen Rechten und nun auch der Linken mit der neuen linken Regierung unter Alexis Tspiras sind nur die offensichtlichen Resultate. \u00bbAgor\u00e1\u00ab macht dies sichtbar. Wenn man Griechenland schon nicht wirklich helfen will, dann soll man zumindest sehen, wohin unterlassene Hilfeleistung f\u00fchrt. Der Untertitel des Filmes hei\u00dft \u00bbVon der Demokratie zum Markt\u00ab. Und das ist es wohl, was wir erwarten d\u00fcrfen, wenn man einst \u00fcber das 21. Jahrhundert schreiben wird: Erst starb der Markt, dann die Demokratie.<\/p>\n<p>Hat man das nicht auch \u00fcber des fr\u00fche 20. Jahrhundert schon geschrieben und als Ursache f\u00fcr all das ausgemacht, was folgte?<\/p>\n<p><i>Dokumentarfilm, GR 2014, 95 Min., Regie: Y\u00f3rgos Avger\u00f3poulos, Produktion: WDR, Small Planet Documentary Production House und Al-Jazeera<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Via: Untrustworthy \u2013 Agora, From Democracy to the Market, overview by HAUS DES DOKUMENTARFILMS Nicht vertrauensw\u00fcrdigAgor\u00e1 &#8211; Von der Demokratie zum Markt 11.02.2015Thomas Schneider Will man verstehen, wieso die Griechen ihrem neuen Ministerpr\u00e4sidenten Alexis Tsipras eine Chance gegeben haben, um das Land aus seiner schier hoffnungslos erscheinenden Schuldenmisere zu f\u00fchren, der muss verstehen, wie die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[35],"tags":[],"class_list":["post-858","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-press"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.agorathedoc.com\/agora\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/858","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.agorathedoc.com\/agora\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.agorathedoc.com\/agora\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agorathedoc.com\/agora\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agorathedoc.com\/agora\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=858"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.agorathedoc.com\/agora\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/858\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":859,"href":"https:\/\/www.agorathedoc.com\/agora\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/858\/revisions\/859"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.agorathedoc.com\/agora\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agorathedoc.com\/agora\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.agorathedoc.com\/agora\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}